» Scientology
Eine Sekte wird heute zwar mit derselben Skepsis betrachtet wie vor vielen hundert Jahren, das Verständnis des Begriffs selbst hat sich im Laufe der Zeit jedoch gewandelt. Was einst als allgemeine Bezeichnung für individuelle Gruppierungen angewandt wurde, gilt heute meist als Negativbegriff für scheinbar gefährliche religiöse Gemeinschaften.
Der Begriff Sekte ruft bei den meisten Menschen ganz bestimmte Assoziationen hervor, die in der Moderne ganz anders aussehen als noch vor zweitausend Jahren. Die Eigenschaften, die einer Sekte zugeschrieben werden, sind vielfältig, doch meist höchst negativ konnotiert. Dieses Verständnis wurde im Laufe der Zeit vor allem von den Ansichten der katholischen Kirche geprägt, Leichtgläubigkeit, zunehmende mediale Berichterstattung über Negativbeispiele und kursierende Gruselgeschichten taten ihr Übriges.
Sekten im ursprünglichen Verständnis
Schon in der Antike waren Sekten bekannt, damals galt die Bezeichnung jedoch noch für jede Gemeinschaft, die sich in ihrer Philosophie, Religion oder sogar Politik von den allgemein gültigen Ansichten unterschied. Der Begriff „hairesis“ war zunächst recht wertneutral und diente lediglich zur Unterscheidung zwischen Muttergruppierungen und sich davon abspaltenden Lehren. Mit der Zeit wurde die Häresie jedoch zu etwas höchst Negativem, und der lateinische Begriff „secta“ gewann immer mehr an Brisanz. [...mehr]
Die Zeugen Jehovas bilden eine christliche Religionsgemeinschaft, die ihre Glaubenslehre durch mündliches und schriftliches Kundtun zu verbreiten sucht. Die meisten Menschen kennen die Zeugen Jehovas von unangemeldeten Besuchen an der Haustür und ihrem mitgebrachten „Wachtturm“.
Der geistige Vater der Zeugen Jehovas, oder der Ernsten Bibelforscher, wie sie sich bis 1931 nannten, war der U.S.-Amerikaner Charles Taze Russell, der als Mitglied der Presbyterianer erzogen wurde. Sein Glaube ließ ihn jedoch an vielen Lehren der Kirche zweifeln, so erschien es ihm falsch, das ein gütiger, liebender Gott tatsächlich die ewige Verdammnis und unendliche Qualen für Sünder fordern könnte. Er entschloss sich zu einem intensiven Studium der Bibel, aus dem er seine eigenen Erkenntnisse gewann, die er wiederum mit der Welt teilen wollte. [...mehr]
Von sich selbst behaupten sie, sie wären eine Religion. In den USA ist es sogar gefährlich, ihren Namen im öffentlichen Rahmen irgendwie negativ zu verwenden. Wie diese BBC-Doku von John Sweeney zeigt, hat Scientology von Kulten der Vergangenheit vor allem eins übernommen: Einschüchterung ihrer Gegner.
Die der Sekte zugrunde liegenden Mythen stammen nicht, wie bei anderen Kulten, aus einer echten Mythologie. Vielmehr stammen sie allesamt aus der Feder des Science-Fiction-Schriftstellers L. Ron Hubbard. Der mittlerweile verstorbene Gründer der Sekte hat sich auch das Pyramiden-System ausgedacht, nach welchem die Organisation strukturiert ist. Neue Mitglieder werden durch Lebensführungs-Kurse geworben, meistens auf der Straße von psychologisch trainierten Mitarbeitern des Scientology-Kultes. Die Kurse, die diesen dann angeboten werden, helfen auch wirklich darin, das Leben besser zu strukturieren oder sein eigenes Selbstbewusstsein aufzubauen.
Das Problem ist nur, dass ein Scientology- Mitglied, einmal beigetreten, sich nur sehr schwer aus dem Einflusskreis der Sekte herausbewegen kann. Was bringen einem schon Vorteile in der eigenen Lebensplanung, wenn einem nach und nach suggeriert wird, wen man heiraten soll, was man zu denken und zu sagen hat, was man im Fernsehen sehen soll und vor allem in welche Richtung das Geld fließen soll, welches man sauer verdient hat? Klar, findige Rhetoriker werden hier einwerfen, dass sei bei jedem Staat genauso. Warum sich aber einen zweiten Staat neben dem bereits existierenden aufbauen, warum sich absichtlich in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben zu Leuten, die offensichtlich darauf trainiert sind, genau das zu sagen, was man hören will?
Wer die Versprechungen von Scientology hört, müsste eigentlich misstrauisch werden: Mehr Geld, mehr Freiheit, mehr Freude am Leben. Gerade letzteres scheint in den ersten Monaten in der Organisation tatsächlich zuzutreffen, was an der schleichenden Gehirnwäsche liegt, mit der die Mitglieder getrimmt werden. Nur so ist es auch zu erklären, dass sich die hahnebüchene Mythologie, die der Scientology- Organisation zugrunde liegt, wirklich jemand anhört.
Nach dieser soll ein Alien namens “Xenu” vor Millionen Jahren auf die Erde gekommen sein und hier Milliarden von kriminellen Seelen gefangen gesetzt haben. Diese binden sich heutzutage an die Menschen und können nur durch die bahnbrechenden Kurse von Scientology daran gehindert werden, ihren schlechten Einfluss auszuüben. Das ist übrigens ein Geheimnis, über das man innerhalb der Sekte nicht reden darf.
Herr Hubbard war also kein Esoteriker, sondern einfach nur ein schlechter Science-Fiction-Autor. Scientology ist keine Religion, sie ist genau genommen nicht mal ein Kult, sondern eine Organisation, die sich psychologischer Tricks bedient, um unsicheren Menschen das Geld und die Gedankenfreiheit zu nehmen.
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